| |
 |
| |
Deutscher
UNIFEM-Preis
Verleihung des Deutschen UNIFEM-Preises 2009
Am 25. November 2009 wurde im Bonner Haus der Geschichte der diesjährige Deutsche UNIFEM- Preis verliehen. Gemäß dem Motto „Stärkung der Rechte der Frau“ ging die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung je zur Hälfte an die Organisationen „ABANTU for Development“ in Ghana für ihr Engagement bei der Erstellung und Bekanntmachung eines „Women’s Manifestos“ und an das „Movimiento Manuela Ramos“ in Peru, das durch Frauenberatungsstellen im Andenhochland die Rechte der Frauen dort stärkt.
Aus Ghana war Frau Hamida Maalim Harrison nach Deutschland gekommen, um den UNIFEM- Preis für ihre Organisation entgegen zu nehmen, von Peru aus hatte sich Frau Patricia Zanabria auf den Weg gemacht. So standen sich an diesem Abend zwei starke Frauen aus zwei völlig verschiedenen Ländern, ja Kontinenten, aus ganz verschiedenen Kulturen und mit ganz unterschiedlicher Geschichte auf der Bühne gegenüber. In Deutschland, in Europa, wo ja alles noch einmal ganz anders ist... Doch trotz dieser Unterschiede teilten alle Anwesenden eine gemeinsame Erkenntnis: Ohne die Frauen geht es nicht! Ohne den gleichberechtigten Einbezug von Frauen in alle gesellschaftlichen Bereiche können wichtige Aufgaben der Menschheit nicht erfolgreich angegangen werden. Doch obwohl diese Zusammenhänge mittlerweile hinlänglich bekannt sind, sind wir von einer Gleichberechtigung der Geschlechter weltweit noch immer weit entfernt.
In ihren beeindruckend lebendigen, engagierten und authentischen Reden betonten die Siegerinnen gleichermaßen: Der Einsatz für die Stärkung der Frauen ist ein Einsatz für eine lebenswertere Zukunft. Frauen haben den Willen, die Kraft und das Können, ihren Teil für eine bessere Gesellschaft beizutragen. Gleichberechtigung heißt also auch, Frauen die Chance zu geben, genau dies zu tun. „We want to make our contribution!” – Wir wollen unseren Beitrag leisten!
Wie das funktionieren kann zeigt beispielhaft das Projekt des „Movimiento Manuela Ramos“ im peruanischen Andenhochland: Im Movimiento schlossen sich vor vielen Jahren privilegiertere Frauen zusammen, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen an weniger begünstigte Geschlechtsgenossinnen weiter zu geben. Im Andenhochland haben sie, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Welthungerhilfe (WHH), Frauen aus den Gemeinden zu Promoterinnen ausgebildet. Diese Frauen wurden in verschiedenen Bereichen, wie sexuelle und reproduktive Rechte, wirtschaftliche und politische Rechte von Frauen, geschult. Sie können die Frauen in ihren Gemeinden nun über ihre Rechte informieren und beraten. Dadurch werden auf Unwissenheit basierende Abhängigkeiten abgebaut. „Die Frauen können hier nun zum ersten Mal selbst ihr Wort einbringen“, fasste Patricia Zanabria sichtlich stolz zusammen.
„ABANTU for Development“ schlug in Ghana einen anderen, aber nicht minder erfolgreichen Weg zur Stärkung der Rechte der Frau ein. Ein Jahr lang konsultierten sie, in Zusammenarbeit mit vielen anderen ghanaischen Organisationen, Frauen in allen Teilen des Landes, ebenso wie ExpertInnen in Bereichen wie Recht, Gesundheit oder Medien. Aus ihren gesammelten Informationen schufen sie in Kooperation mit der Friedrich Ebert Stiftung (FES) das „Women’s Manifesto for Ghana“, ein
1
politisches Dokument in 10 Kapiteln. Das Manifesto stellt die Situation von Frauen in Ghana dar und formuliert politische Forderungen von Frauen in unterschiedlichen Politikbereichen. Das Manifesto kam bereits bei den Wahlen 2004 und 2008 in Ghana zum Einsatz. Es wird in allen Teilen des Landes verteilt, an NGOs, Parteien und Einzelpersonen. Auch in Schulen und Universitäten wird es mittlerweile als Lehrmaterial verwendet. „Jetzt kann sich niemand mehr herausreden mit: ‚Wir wissen ja gar nicht, was die Frauen wollen‘“, sagte Hamida Maalim Harrison am Abend in Bonn.
Ein mit 1000 Euro dotierter privater Sonderpreis ging an das Projekt “Aufklärung und Beratung über Frauenrechte in Togo – Barfußjuristinnen” der Organisationen GF2D und CRIFF, eingereicht vom Deutschen Juristinnen-Bund. Als Barfußjuristinnen werden die vom Projekt ausgebildeten Laienjuristinnen bezeichnet, die dann in ihren Gemeinden Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit in der Bevölkerung leisten und Rechtsberatung für Frauen sowie Schlichtungsgespräche anbieten.
Wie der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch in seiner Begrüßungsrede betonte, stellt der Deutsche UNIFEM-Preis eine wichtige Anerkennung des Wertes der Arbeit der Organisationen dar. Er ist außerdem auch eine ganz praktische Hilfe zum Weitermachen. Nimptsch war als neuer OB der Stadt Bonn zum ersten Mal bei der Verleihung des Deutschen UNIFEM-Preises dabei. In seiner Rede hob er die Wichtigkeit der nachhaltigen Entwicklung und der Geschlechtergerechtigkeit auch für die Menschen in den Industrieländern hervor.
Sichtlich erfreut und dankbar zeigte sich Karin Nordmeyer, die Vorsitzende des Deutschen Komitees für UNIFEM, darüber, dass OB Nimptsch so nahtlos die von Frau Dieckmann begonnene Partnerschaft zwischen der Stadt Bonn und UNIFEM in Deutschland weiterführt. Nordmeyer ließ in ihrer Rede die vergangene UNIFEM-Kampagne „Frauen geben 8“ noch einmal Revue passieren, deren Höhepunkt und Abschluss die Preisverleihung darstellte. Sie dankte den vielen Helfern und Unterstützern im Hintergrund und insbesondere den deutschen Partnerorganisationen der Gewinnerprojekte FES und WHH. „Sie haben es ermöglicht, dass wir beide Preisträgerinnen heute Abend bei uns haben und so einen ganz direkten und authentischen Eindruck ihrer Arbeit gewinnen können“. Nordmeyer äußerte jedoch auch ihre Sorgen, um die zukünftige Gestaltung der Entwicklungspolitik in Deutschland. Sie zitierte aus einem Interview des Domradios mit Dirk Niebel, dem neuen Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Dieser hatte am 18. November gesagt: "Es ist ein große Chance, dass die FDP alle drei Ressorts leitet: Außen-, Wirtschafts- und Entwicklungsministerium. Man kann dann wie bei einem Staffellauf, von Hand zu Hand, die Partner weitergeben, um das Engagement an anderer Stelle weiterzuführen." Dazu fragte Nordmeyer nach: „Werden bei diesem Staffellauf auch die Projekte weitergeführt, die besonders die Ärmsten der Ärmsten, und das sind häufig genug Frauen, betreffen? Und was geschieht mit den internationalen Verträgen und Verpflichtungen die Deutschland eingegangen ist, zu denen auch die „Willensbekundung“ des EU-Stufenplans gehört?“
Diese Befürchtungen nahm Frau Marita Steinke, die als Vertreterin des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gekommen war, direkt auf. Sie betonte, dass Gendergerechtigkeit und Frauenrechte weiter zentrale Arbeitsfelder in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind.
Elissar Sarough, Direktorin von UNIFEM in Brüssel, brachte zu ihrem Grußwort den Videoclip „No is No in any language“ mit Nicole Kidman mit, der die neue UNIFEM-Kampagne „Say NO – UNiTE to End Violence against Women“ unterstützt. Sie forderte auch alle Anwesenden auf, ihre Stimme gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu erheben. Mit seiner neuen Foto-Aktion griff das Deutsche Komitee für UNIFEM diesen Gedanken später am Abend direkt auf.
2
Dr. Renée Ernst, Beauftragte für die UN-Millenniumkampagne in Deutschland hatte für das „Frauen geben 8“ –Projekt eng mit UNIFEM Deutschland zusammen gearbeitet. In einem eindrucksvollen Kurzinterview zeigte sie die Bandbreite des Problems noch einmal auf. Das UN-Millenniumziel, bei dem bisher die geringsten Fortschritte erzielt worden sind, ist die Senkung der Müttersterblichkeit. „Während eine Schwangerschaft hier bei uns als ein freudiges Ereignis gefeiert wird, kommt sie in vielen Ländern beinahe einem Todesurteil gleich. Das ist ein Skandal im 21. Jahrhundert!“. Trotz aller Hindernisse ist Renée Ernst überzeugt, dass die Erreichung der UN-Millenniumziele bis 2015 noch nicht unmöglich ist. „Wenn der richtige Wille vorhanden ist, kann man in fünf Jahren unglaublich viel schaffen. Daran glaube ich ganz fest!“
Auf den richtigen Willen und das Engagement kommt es also an. Da war sich Renée Ernst mit ihrer Interviewpartnerin und der Moderatorin des Abends, Conny Czymoch, einig. Die Journalistin führte erfrischend sympathisch durch den Abend und schaffte es immer wieder, die Bezüge vielfältigen zum Motto „Stärkung der Rechte der Frau“ herauszuarbeiten.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom DED-Chor aus Bonn, der insbesondere bei den südamerikanischen Gästen Begeisterungsstürme auslöste und am Ende den Saal mit „I like the flowers“ noch einmal in Bewegung versetzte. Ein besonderes Highlight war der Auftritt der Weltkünstlerin Stephanie Maria Troscheit. Die Trommlerin führte das Publikum mit eingängigen Rhythmen auf die „Road to Accra“. Am Ende der Reise erwartete die Teilnehmer dann auch ganz passend ein Empfang im Foyer mit Kostproben aus der Küche Ghanas. Bei frittierten Bananenspießen und gefüllten Teigtaschen mit scharfer Soße konnte der Abend so angemessen ausklingen.
Sonderpreis 2009
|
|
|
|